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Kopfkino: The Avengers

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Ich hab ja eher ein ambivalentes Verhältnis zu Superhelden-Filmen. Ich will sie eigentlich alle geil finden, aber am Ende komm ich doch immer leicht enttäuscht aus dem Kino. Wie bei einer schlechten Trennung, sage ich den Halbgöttern, Eisenmännern oder patriotischen Supersoldaten: “Es liegt an mir, nicht an dir”. Vielleicht ist es das Alter. Oder die mangelnde Vorbildung in Sachen Comic-Vorlage. Vielleicht sind es die nervigen 3D-Brillen, die auf meiner ohnehin schon anwesenden Brille nervös wackeln. Denn bis auf die Ausnahmen “The Dark Knight” und “Watchmen”, die irgendwie nicht so richtig als klassische Superhelden-Filme durchgehen, kann ich mich bei der ganzen Marvel-Kost immer nur zu einem “war okay” oder “ganz nett” hinreißen lassen.

Entsprechend “vorsichtig” war auch meine Erwartungshaltung gegenüber dem Helden-Konglomerat “The Avengers”, bei dem so ziemlich jeder Marvel-Superheld, der in den vergangenen Jahren verfilmt wurde, auftaucht. Es ist ein bisschen das “Oceans 11” der Superhelden. Die Liste der Stars reicht für eine Award-Show und allein die Kosten des Films sind mit 220 Millionen US-Dollar schon ein Superlativ für sich. Dann ist da noch Regisseur Joss Whedon, der hierzulande wohl durch seine TV-Serie “Buffy” am bekanntesten geworden ist. Die “Buffy”-Fans mögen es mir verzeihen, aber ich konnte der Show nie was abgewinnen. Besser war da für mich, ebenfalls von Whedon, die Sci-Fi-Serie “Firefly” inklusive dem dazugehörigen Kinofilm “Serenity”. Bei den Nerds gefeiert, vom Massenpublikum aber kaum zur Kenntnis genommen. Auch hier gab es aber, trotz des allgemeinen Hypes um mich herum (“Alter, Firefly ist das Beste was es auf dem Planeten gibt. Sogar besser als Eistee!”), von mir nur ein “Jo, war ganz gut”. Von den richtigen Flops in Whedons Filmografie, wie der Serie “Dollhouse” oder dem unsäglichen Drehbuch von “Alien: Resurrection” fang ich erst gar nicht an.

So richtig geil fand ich nur Dr. Horribles Sing-Along Blog, mit Neil Patrick Harris, Felicia Day und Nathan Fillion. Joss Whedon also. Sicher ein Mann, der prinzipiell nicht völlig verkehrt für überdrehte Superhelden-Kost ist. Wenngleich ich von seinem Talent bis dato nicht vollkommen überzeugt war, so gab es an seinem Nerd-Faktor wirklich keinen Zweifel. Joss Whedon ist ein Mann, der sich wohlfühlt in einer Welt von Effekten, Greenscreens und coolen Sprüchen. Anders als Ang Lee, der mit seinen spirituellen Ansätzen aus Hulk eine furztrockene Charakter-Studie machen wollte, oder Joe Johnston (“The Rocketeer”, “Jurassic Park 3”), der mich mit seiner “Captain America”-Verfilmung zu Tode langweilte, nehme ich Joss Whedon seine Begeisterung für den Stoff tatsächlich ab.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe nicht viel von “The Avengers” erwartet, aber ein kleiner Teil in mir glaubte daran, dass Joss Whedon das Baby schaukeln würde.

Und leck mich am Arsch, das hat er getan. Joss Whedon hat dieses Baby nicht nur geschaukelt, sondern einen verdammten Baby-Summer-Slam hingelegt. “The Avengers” ist der beste Superhelden-Film (die beiden Erwähnten ausgenommen), den ich bislang gesehen habe. Hier stimmt, bis auf einen kleinen Durchhänger in der Mitte des Films, eigentlich alles.

Während andere Regisseure gerne die Zeit der Zuschauer mit langatmigen Hintergrund-Stories verschwenden, fackelt Whedon nicht lange. Natürlich kommt es ihm gelegen, dass die Vorgeschichten der Helden in ihren eigenen Filmen schon zur Genüge durchgekaut wurden. Das erlaubt es ihm, ohne große Umschweife direkt zur Sache zu kommen. Ein Superheld nach dem anderen wird von “S.H.I.E.L.D.”, der ultrageheimen Superagenten-Organisation um Nick Fury (Samuel L. Jackson), rekrutiert. So bekommt erst mal jeder sein eigenes kleines Intro, ohne schon zu viel mit den Muskeln zu spielen. Man wird direkt heiß gemacht, wenn man Bruce Banner in einer von Soldaten umstellten kleinen Holzhütte am Arsch der Welt sieht. Natürlich passiert nichts und bis wir den Hulk zu sehen bekommen, vergeht noch ein bisschen Zeit. Aber in deinem Hinterkopf ist er immer da und du wartest nur auf den Ausbruch. So geht es eigentlich mit allen anderen Helden auch. Man freut sich schon auf den Ersten, der “Mjölnir”, den Hammer von Thor, in die Fresse bekommt. Man kann es kaum erwarten bis Tony Stark endlich durch die Luft fliegt und ein paar arrogante Sprüche vom Leder lässt und selbst auf Captain America und seinen blöden Schild freut man sich … denn Freiheit ist ihm wichtig!

Später sind dann alle Helden an Bord eines riesigen (fliegenden!) Flugzeugträgers versammelt und schmieden Pläne um die Welt zu retten. Hier zeigt sich dann die wahre Qualität des Films. Joss Whedon liefert uns all den Scheiss, den wir von so einem Film erwarten. Thor kämpft gegen Hulk, Iron Man kämpft gegen Thor und Captain America, Black Widow prügelt sich mit Hawkeye, Nick Fury ballert auf Aliens, Thor verkloppt Loki, alle kämpfen mit noch größeren Aliens etc.

Es geht einfach ohne Pause ab, jeder dieser Kämpfe ist spektakulär in Szene gesetzt und verzichtet zum Glück auf nervige Paul-Greengras-Wannabe-Wackelkamera. So weit, so gut. Klingt auch nicht so anders als ein “Transformers”-Film, nicht wahr?

Aber hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Nicht nur die Action ist sensationell umgesetzt worden, auch die einzelnen Protagonisten bekommen genug Story und Raum, damit ihre Action-Parts nicht bloß wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Set-Pieces daherkommt. Whedon schafft es, jedem der Beteiligten eine (mehr oder weniger) wichtige Rolle zukommen zu lassen. Keiner wird stiefmütterlich behandelt. Na gut, ein bisschen “lustig” wirkt es schon, wenn ein grünes Monster und ein Halbgott auf Aliens aus einer anderen Dimension kloppen und dabei eine ganze Stadt in Schutt und Asche zerlegen, während auf irgendeinem Hochhausdach Hawkeye (Jeremy Renner) mit Pfeil und Bogen steht. Aber hey, selbst der kann überzeugen und schafft es sich irgendwie sinnvoll in den Gesamtkontext einzuordnen.

Natürlich hat der ein oder andere Schauspieler etwas mehr Screen-Time, aber die ist dann auch gerechtfertigt. Besonders überzeugend kommt da natürlich Robert Downey Jr. rüber, der ein bisschen mehr glänzt als der Rest. Das liegt aber in der Natur der Sache, weil Tony Stark a.k.a. Iron Man halt einfach eine coole Sau ist und mehr zu bieten hat, als ein vergleichsweise etwas blasser Captain America. Aber selbst der hat seine coolen Momente. Der heimliche Star ist aber Mark Ruffalo als Bruce Banner bzw. Hulk. Für mich bislang der klar beste Hulk-Darsteller. Nicht nur liefert er einen super Einstand als latent gereizter Bruce Banner, auch die Hulk-Szenen sind stellenweise grandios. Das ist Hulk, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.

Ich bin eigentlich nicht unbedingt ein Fan von übermäßigen Spezialeffekten oder überladenen Blockbuster-Filmen. Aber wenn so ein Star-Ensemble mit übermäßigen Superkräften aufeinander trifft, dann will ich auch das es kracht. Dann will ich keine Lovestories, dann will ich keine Vater-Sohn-Beziehungs-Scheisse. Ich will wissen wer härter zuhauen kann: Thor oder Hulk. Ich will wissen was passiert, wenn Captain Americas Schild in Iron Mans Fresse fliegt. In einer Szene gibt Iron Man Thor eine Kopfnuss, kurz danach wird er mit dem Hammer beinahe aus der Atmosphäre geprügelt. Großartig!

Wenn dann richtig, das scheint die Devise von Joss Whedon gewesen zu sein. Da stört es mich auch nicht, dass der 3D-Effekte nachträglich angefertigt wurde und deshalb auch nicht vom Hocker reisst. Da stört mich sogar der oben angesprochene Durchhänger in der Mitte des Films nicht. Okay, vielleicht ist “The Avengers” mit fast 140 Min. eine Viertelstunde zu lang. Aber irgendwie fand ich es sogar ganz angenehm. Trotz der geilen Action hatte ich nie das Gefühl überfordert zu sein mit dem was da gerade passiert. Es gab genug Verschnaufpausen, in denen dann die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander mehr Zeit bekamen. Die Mischung war dabei eigentlich immer genau richtig.

Fazit:
Ich sag es mal so. Wenn ihr mit Superhelden-Filmen generell nicht warm werdet, dann wird auch “The Avengers” nicht die richtige Kost sein. Dafür ist der Film einfach zu puristisch und geradlinig in seiner Art. Deshalb hab’ ich weiter oben auch Filme wie “The Dark Knight” und “Watchmen” ausgeklammert. Die gehen in eine andere Richtung und können sogar überzeugen, wenn man nicht unbedingt auf so “Hauen & CGI” steht. Das ist vielleicht auch ein Kritikpunkt, den man “The Avengers” ankreiden kann. Der Film ist vieles, aber sonderlich anspruchsvoll ist er nicht. Er ist brachiales, ultraschnelles Popcorn-Kino. Wenn man auch nur einen der Marvel-Flicks mochte, wenn man gerne zwei Stunden lang einfach nur überragend unterhalten werden will, wenn man das Blockbuster-Spektakel des Jahres nicht verpassen will, dann kann man sich hier so richtig drauf freuen. Und das sag ich als jemand, der nicht gerade als Superheld-Fanboy gilt.

Action, Effekte, Humor, Inszenierung – alles auf aller höchstem Niveau. Whedon hat die Chance genutzt. Super!

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